In diesem Artikel wird die in vielen Entwicklungstheorien übernommene Kulturkonzeption kritisiert, deren Prämisse die Kohärenz, Besonderheit, Unabhängigkeit und territoriale Gebundenheit der verschiedenen „Kulturen“ ist. Um die Dekonstruktion dieser Konzeption vomehmen zu können, wird deren Instrumentalisierung zur Grenzziehung dargestellt. Davon ausgehend wird vorgeschlagen, die Welt bestehend aus interdependenten Räumen zu konzeptualisieren, die durch hierarchische Beziehungen und vielfältige Machtkonstellationen charakterisiert sind. Dies würde erlauben, jene Kontexte kritisch zu untersuchen, in denen Grenzziehungen und Konstruktionen von „Gemeinschaft“ stattfinden, sowie die dabei involvierten Wirkungsweisen von Machtverhältnissen sichtbar zu machen. Konkret wird das am Beispiel der Texte jener Theoretikerinnen demonstriert, die sich die Erforschung, Kategorisierung und Förderung von „indigenen Wissenssystemen“ zur Aufgabe gemacht haben. Im Zuge ihrer Zuschreibung von Bestimmung und Wert klassifizieren sie nicht sich selbst, sondern die ,,Andern“ als „indigen“ und „lokal‘, definieren deren „Indigenität“ und „Lokalität“ und machen die dabei erstellten Kriterien zu Essentialismen für Entwicklungszusammenarbeit.